24.06.2026

Wald mit Zukunft

Sachsen-Anhalt braucht Wurzeln, Wasser und wissenschaftliche Ehrlichkeit.
 
 Zur Landtagsdebatte über Klimaanpassung im Waldumbau erklärt Wolfgang Aldag, umweltpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen: „Wer durch den Harz geht, sieht es mit eigenen Augen. Der Wald steht unter Druck. Trockenheit, Hitze, Schädlinge und geschädigte Böden haben Spuren hinterlassen. Sachsen-Anhalt braucht deshalb einen Waldumbau, der mutig ist und zugleich klug bleibt. Unser Wald ist kein Experimentierkasten. Er ist Heimat, Wasserspeicher, Lebensraum, Wirtschaftsfaktor und ein Versprechen an unsere Kinder.“ 

Der vorliegende Antrag greife zwar ein echtes Problem auf, bleibe aber im Denken zu eng. Klimaresilienz entstehe nicht durch den reflexhaften Ruf nach neuen Baumarten. Sie wachse aus gesunden Mischwäldern, vielfältigen Altersstrukturen, standortgerechter Pflanzung, lebendigen Böden und besserem Wasserrückhalt. Gerade Sachsen-Anhalt mit Harz, Altmark, Dübener Heide und den trockenen Landschaften im Regenschatten des Harzes brauche Lösungen, die zum Ort passen und nicht zur Schlagzeile.

Aldag betont: „Ein starker Wald beginnt unter der Erde. Wer nur auf die Baumart schaut, übersieht die Wurzeln des Problems. Wir müssen Böden schützen, Wasser im Wald halten und die biologische Vielfalt stärken. Dann bekommen Bäume überhaupt erst die Chance, den Klimastress auszuhalten.“

Die Grüne Landtagsfraktion lehnt eine pauschale Aufweichung des Bundesnaturschutzgesetzes ab. Ausgleich und Ersatz nach Eingriffen in Natur und Landschaft müssen echte ökologische Funktionen sichern. Klimaanpassung ist wichtig, doch sie darf nicht als Freifahrtschein dienen, um Naturschutzstandards kleinzureden.

„Wir wollen Waldumbau, der Generationen trägt. Dafür brauchen wir Wissenschaft, Naturschutz und Forstpraxis an einem Tisch. Sachsen-Anhalt kann zeigen, wie Klimaanpassung gelingt: bodennah, wasserschlau, artenreich und ehrlich. Unser Wald braucht keine schnellen Parolen. Er braucht Geduld, Verantwortung und einen Plan, der hält“, so Aldag.

Der Waldzustandsbericht 2025 zeigt, dass die Schäden der Trockenjahre seit 2018 in Sachsen-Anhalts Wäldern weiter sichtbar sind; die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt verweist zugleich auf klimaangepasste Baumartenwahl als standortbezogene Entscheidungshilfe.